Mittwoch, 25.11.2020 10:08

Was hat die Kriegerheimstätte Hirschstetten mit Kino und Zwiebelrostbraten zu tun?

Was hat die Kriegerheimstätte Hirschstetten mit Kino und Zwiebelrostbraten zu tun?

Lilly Klee befasst sich für ihre Doktorarbeit unter anderem mit der historischen Entwicklung der Donaustadt. Dafür verbringt sie viel Zeit in Archiven. Während dem Lockdown ist das leider nur bedingt möglich. Wie praktisch, dass die Sammlung des Wien Museums neuerdings online einsehbar ist!

Lilly startet eine Suchanfrage für „Hirschstetten“ und stößt auf eine alte Fotografie von der Ecke Murraygasse/Schrebergasse von 1926. Dass hier zwischen Quadenstraße und Markweg, rund 750 Meter östlich des alten Ortskerns auf genossenschaftlicher Basis die Siedlung „Kriegerheimstätte Hirschstetten“ errichtet wurde, wusste sie bereits. Aber wie immer möchte Lilly mehr erfahren …

Zunächst stößt sie in ihrer Internet-Recherche auf das Gasthaus „Zur Kriegerheimstätte“, das seit 100 Jahren von der Familie Schina in einem der Häuser geführt wird. Auf der Webseite findet man Geschichtliches. Auch alte Bilder vom Restaurant! Sie faszinieren Lilly, die nicht nur eine passionierte Fotografin ist, sondern selbst in der Gaststätte ihrer Eltern in Breitenlee groß geworden ist. Beim Blick auf die Menükarte beschließt sie, bald mal auf einen Zwiebelrostbraten bei den „Schinas“ einzukehren.

„Aber jetzt zurück zur Sache …“, ermahnt sich die junge Architekturforscherin. Auf Hirschstetten.info, einem Online-Archiv zur Geschichte von Hirschstetten, wird sie fündig: Eine chronologische Auflistung mit vielen Bildern und Quellen lädt zum Stöbern und Entdecken ein.

„Der Baubeginn der heute teilweise denkmalgeschützten Reihenhäuser war 1921. Sie wurden vorrangig Kriegsopfern vom 1. Weltkrieg zur Verfügung gestellt. Die Initiatoren waren die Kriegsrückkehrer Franz Spandel, Simon Zegarczuk und August Schina.“, notiert sich Lilly.

„Ha! Den Namen hatten wir doch eben schon!“, Lilly muss wieder an die Speisekarte denken … „Stopp jetzt. Kon-zen-tra-tion!“

Sie schaut in ihre Architekturbücher. Da erfährt sie, dass die Wohnhäuser mit Hof und Garten vom berühmten Adolf Loos gemeinsam mit George Karau, Franz Schuster und Franz Schacherl geplant wurden. Im 2. Weltkrieg wurde die Siedlung leider stark beschädigt. Dank dem Pioniergeist Vieler wurde sie aber wieder aufgebaut.

„Na so was! Sogar ein Kino hat es in der Spandlgasse 28 einst gegeben! Wie toll das wäre, wenn es heute noch in Betrieb wäre.“

Lilly malt sich aus, wie es früher wohl war, in der Hirschstettner Kriegerheimstätte zu leben. Sie schließt die Augen und die gefundenen Bilder vermischen sich …

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